Immenhof
 

Landsitz mit Tradition:
Die Geschichte des Gutes Rothensande.

Die Chronik des Immenhofs ist viele Seiten lang; die Wurzeln liegen im Mittelalter: Nachdem Heinrich der Löwe um 1150 das Bistum Oldenburg in Holstein gegründet hatte, wurde auch die Gegend um Malente besiedelt. Holländer legten die sumpfigen Niederungen trocken. Und im 14 Jahrhundert entstand hier ein fürstbischöfliches Vorwerk. 1361 verkaufte der Edelmann Heinrich von Dame den „Hof namens Rodesand mit der Gremsmühle“ an den Lübecker Bischof Bertram. So steht es in den Annalen. Im 18. Jahrhundert wurde das Vorwerk in Erbpachtstellen aufgeteilt. Im April 1775 hatte der Fürstbischof Friedrich August von Eutin dafür seine Genehmigung erteilt. Damals war das Eutiner Schloss eine glänzende Barockresidenz, ein Treffpunkt des Adels. Im Park lustwandelte unter anderem eine gewisse Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst, die spätere Katharina die Große. Und hier traf sie zum ersten Mal Karl Peter Ulrich von Holstein-Gottorf, ihren späteren Ehemann, den russischen Zaren Peter III., den sie vom Thron stieß.

Es war aber nicht nur die Zeit großer Weltgeschichte, sondern auch eine Epoche, in der die Landwirte es verstanden hatten, mit schnellen Fruchtfolgen dem Boden bessere Erträge abzugewinnen, und in der sich ein freier Bauernstand profilierte. So kam es zur Aufteilung des Vorwerks. Die Ländereien wurden vermessen, der Wald blieb der Herrschaft reserviert – auch als Jagdrevier. Dabei wurden auch die Gebäude von Rothensande, das damals noch Rodensande hieß, an die Pächter verkauft. Der Stammhof ging an den Pächter Johann Peter Grage, der ihn an seinen Sohn Johann Christian weitergab. Dessen Witwe Engel Margarete Grage verkaufte dann das Anwesen an einen Hamburger Kaufmann, und schon zwei Jahre später wurde das Gut weitergereicht an den Lübecker Kammerrat Nikolaus Steinfeld. 28.500 Reichstaler zahlte der Mann für das Anwesen, damals ein Vermögen. Im 19. Jahrhundert wechselte das Gut neun Mal den Eigentümer. 1862 hatte vorübergehend der kaiserliche russische Konsul Nestor von Schlözer das Sagen auf dem Hof.

1911 schließlich erwarb der Kieler Ziegeleibesitzer Franz Blessmann Rothensande. Er hatte seinen Betrieb verkauft, investierte in das Anwesen baute ein neues, repräsentatives Gutshaus und das Torhaus in der Tradition der schleswig-holsteinischen Herrenhäuser. Doch es blieb Schicksal des Gutes, von einem Eigentümer zum anderen weiter gereicht zu werden. Nach dem zweiten Weltkrieg war das Anwesen zunächst DRK Kinderheim, 1955 richtete das christliche Jugenddorfwerk hier ein Sozialpädagogisches Institut ein. Aber bereits 1953 hatte der damalige Eigentümer, Hans-Joachim Lutter, der ARCO-Film gestattet, auf Rothensande die Dreharbeiten für drei Immenhof-Filme durchzuführen. 1957 kehrte Ruhe ein. Der Besitz mit rund 180 Hektar Land ging an den Hamburger Kaufmann und Landwirt Artur Nörenberg, der Gut und Land sanierte und auf Rothensande eine Pferdezucht betrieb. Damit war das Gut für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich.