Immenhof
 

Aktuelles vom Gut Immenhof.

Die OLDENBURGISCHE VOLKSZEITUNG schrieb am Mittwoch, 22. Juni 2011 folgenden Artikel (Autor: Gerhard Lauer)

Der Immenhof steht zum Verkauf

Foto: Themann

Der Visbeker Franz-Josef Stolle will die Pony-Filmidylle nicht wiederbeleben

Anfang Juni 2010 feierten 30 000 Besucher mit dem Visbeker Franz-Josef Stolle auf dem wieder zum Leben erweckten „Immenhof“ in Malente eine Landpartie. Nun sucht der Landwirt einen Käufer für die Gebäude des ehemaligen Gutes Rothensande.

Malente/Visbek − Eigentlich wollte er „nur pflügen, säen und ernten“, hatte der Visbeker Franz-Josef Stolle vor mehr als einem Jahr gesagt, nachdem er im Sommer 2009 das Gut Rothensande in Malente (Schleswig Holstein), besser bekannt als Kulisse für die Immenhof-Filme, gekauft hatte.
Nun scheint es tatsächlich darauf hinaus zu laufen, denn Stolle will die Gebäude auf dem 180 Hektar großen Anwesen verkaufen. Auf das Gut war der gelernte Landwirt, der zuvor sein Unternehmen Stolle-Frost verkauft hatte, bei der Suche nach geeigneten Ackerflächen gestoßen. Im Oldenburger Münsterland seien die knapp und teuer. Dann habe er sich allerdings hinreißen lassen und wollte den Immenhof wieder der Öffentlichkeit zugänglich machen.
Einen erfolgreichen Start legte er im Juni vergangenen Jahres hin, als mehr als 30 000 Gäste zur Landpartie kamen, unter ihnen viele Visbeker. Doch das Konzept mit Hotel und Gastronomie sei nicht aufgegangen, bedauert er. Auch habe er auf falsche Berater gesetzt. „Ich bin Landwirt und kein Hotelier“, weiß er heute.

Er hat Gutachten erstellen lassen, viel Geld in die Hand genommen „und alles mitgemacht“, aber seinen Traum, in Malente in Schleswig-Holstein den Immenhof nach dem Vorbild der bekannten Filme aus den 50er Jahren wieder für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen, wird Franz-Josef Stolle nicht mehr verwirklichen. „Für die Gebäude suche ich nach einer anderen Nutzungsmöglichkeit, die Flächen werde ich aber weiter landwirtschaftlich nutzen“, sagte der Visbeker gestern.
Dabei hatte alles so vielversprechend begonnen. Mit Hilfe eines pfiffigen Anwaltes hatte Stolle im Juli 2009 buchstäblich in letzter Sekunde ein Kaufangebot für das zur Zwangsversteigerung anstehende Gut Rothensande abgegeben. Unter den Interessenten soll auch der Optiker Fielmann gewesen sein. Damals hätte sich die Erbengemeinschaft des Vorbesitzers, des erfolgreichen Pferdezüchters Artur Nörenberg, gefreut, dass das Anwesen im Ganzen erhalten bleibe und wieder in die Hände eines Landwirtes komme.
Von Anfang an, so Stolle, habe er vorgehabt, auch Touristen anzulocken. Es sollten Ferienwohnungen mit hotelähnlichem Charakter entstehen sowie ein Standort für Seminare und Fortbildung. Mit der in der Nähe liegenden Fußballschule, in der sich die deutsche Nationalmannschaft zweimal mit dem „Geist von Malente“ auf die Fußballweltmeisterschaft vorbereitet hat, habe er einen Kooperationsvertrag geschlossen.
Mit großer Freude erinnert er sich noch an die Landpartie Anfang Juni 2010, als das Visbeker Reiterfanfarencorps aufgetreten sei und Gerd Funke aus Visbek ein Pony für einen guten Zweck versteigerte. Damals sei noch ein Hauch von Immenhof durch die Gebäude und über die Anlagen gezogen. Inzwischen sehe er die Sache realistisch. „Ich habe Landwirt gelernt“, sagt er. Für eine andere Nutzung hätte er sich professionelle Unterstützung holen müssen.
Ebenso für eine erneute Landpartie, die es in diesem Jahr nicht geben werde. „Man kann nicht zehn Töpfe auf den Herd stellen und in allen gleichzeitig rühren“, umschreibt er die Situation. Nun wolle er die Gebäude, die sich noch nahezu unverändert in einem guten Zustand befinden, verkaufen und sich ausschließlich dem Ackerbau widmen. Immerhin gehören zu dem Gut 180 Hektar. Im vergangenen Jahr habe er vor allem Raps und Mais geerntet, in diesem Jahr stehe dort Weizen. „Es ist fruchtbarer Boden hier“, versichert er. Bewirtschaften könne er das Land auch von Visbek aus. Malente sei über die Autobahn in wenigen Stunden zu erreichen, weiß er von vielen Hin- und Herfahrten.
„Die Lage am Kellersee ist traumhaft“, schwärmt Stolle, aber er fügt sofort hinzu: „Ich lebe und wohne in Visbek“. Er sei auch bereit, von den Flächen etwas abzugeben, wenn ein Käufer sie benötige. Ihm wäre es am liebsten, wenn man sich so einigen könnte. Deshalb wolle er möglichst ohne großen Wirbel die kommenden Verhandlungen abwarten − „und pflügen, säen und ernten“.

Der Kommentar von Gerhard Lauer (Autor Oldenburgische Volkszeitung):
Bei Schustersleisten bleiben
Franz-Josef Stolles Traum ist geplatzt. Das vor zwei Jahren mit viel Euphorie, Engage- ment − und Geld − gestartete Unternehmen Immenhof hat er aufgegeben. Nicht zu realisieren sei das, sagt er heute. Und, dass er sich auf falsche Berater verlassen habe. Dabei hatten alle geschwärmt: Der Bürgermeister von Malente, das Holsteinische Landesamt für Denkmalschutz, der Deutsche Fußballbund, Pferde- und Immenhof-Freunde aus ganz Deutschland. Zugegebenermaßen auch ich, der sich nach einem Be- such des Gutes die Immenhof-Filme noch einmal angeschaut hat. Meine Bewunderung hat Stolle trotz des Scheiterns. Er hat es zumindest versucht. Vermutlich tut er gut daran, sich als Landwirt auf Schusters Leisten zu besinnen, bevor er eines Tages richtig Schiffbruch erleidet und es wieder auf eine Zwangsversteigerung hinaus läuft. Den Immenhof soll doch jemand anderes realisieren. Interessenten gibt’s wohl genug.
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